Seit den Studentenrevolten von 1968 hat unsere Gesellschaft gewaltige Umwälzungen erfahren. Damals hatte sich die Nachkriegsgeneration gegen existierende Strukturen aufgelehnt. Vor allem die Autorität wurde hinterfragt, stand sie doch für die Einen für das Leiden, für die Anderen für die Schuld der Eltern. Auch die Aktualität war von zahlreichen, oft dramatischen, politischen Konflikten gekennzeichnet. Viele, vor allem junge Menschen, begehrten auf und stellten den Anspruch eine bessere Welt aufzubauen. Seither wird der politische Diskurs in Europa weithin von der politischen Linken bestimmt. « Politisch korrekt » wird behauptet, dass der freie Westen mit seinen Werte nahezu die Alleinschuld an allen Leiden dieser Welt trage. Viele luxemburgische Politiker, auch unter jenen die derzeit Ministerämter bekleiden, gehören noch dieser Generation an und bleiben den damaligen Denkmustern verhaftet.

Eines der Hauptopfer dieser linken Revolution war das Schulwesen. Progressiv wurde das Leistungsprinzip abgeschafft, da es « elitistisch » sei. Unter « Demokratisierung » der Schule verstehen die Linken auch heute noch die Abschaffung der Schule als Ort der Wissensvermittlung und Bildung zugunsten eines gleichmacherischen Gesamtschulmodells. Dort sollen möglichst alle, um soziale Ungleichheiten aquszugleichen, ein wohlklingendes, doch leider wertloses Abschlussdiplom erhalten. Individuelle Leistung braucht’s dazu nicht mehr – stammen Unterschiede in Talenten, Fähigkeiten und Intelligenz unter den Schülern doch vor allem aus materiellen « Ungerechtigkeiten » bei der sozialen Herkunft sowie der unterschiedlichen « Sozialisierung » der Schüler.

In Wahrheit haben die linken Schulreformen, auch in Luxemburg, katastrophale Auswirkungen gehabt. Das Niveau unserer Schulen hat sich über die Jahrzehnte dramatisch verschlechtert, Orthographie und Grammatik werden von vielen nur noch ansatzweise beherrscht. Man kann es den heute protestierenden Lehrern und Schülern daher nicht hoch genug anrechnen, dass sie nun den Mut zur längst überfälligen Gegenrevolution zeigen. Die Schüler wissen, dass die Reformpläne der Regierung ihre Zukunft aus Spiel setzen. Die zunehmende Arbeitslosigkeit in unserem Land sowie der steigende Unwillen ausländischer Universitäten noch luxemburgische Studenten aufzunehmen sind untrügerische Warnzeichen.

Die Reformen der Frau Delvaux müssen gestoppt werden! Nicht sogenannte «Kompetenzen » – deren Inhalt vollkommen ungewiss ist – sollen zur Bewertung der Schüler herangezogen werden, sondern hohe Wissensstandards, Fähigkeit zum Denken und individuelle Anstrengung. Unsere Schüler wollen wieder stolz auf ihre Leistungen und Diplome sein! Auch müssen die manuellen Berufe wieder gesellschaftlich aufgewertet werden – nicht jeder will, kann oder soll studieren. Deswegen wird die ADR ihre Schulpolitik auch weiterhin entschieden einfordern: ein unbedingtes Ja zum Leistungsprinzip und zu einem möglichst hohen Bildungsstandard ! Die ADR vertritt hierzu ein Modell der weitgehenden Schulautonomie um eine wohltuend leistungssteigernde Konkurrenz und eine weiterführende Spezialisierung unter den Schulen zu ermöglichen und zu fördern. Gleichzeitig braucht es mehr Flexibilität in unserem Schulwesen um Schülern auch noch eine spätere Umorientierung zu ermöglichen – selbstverständlich unter der Bedingung, dass sie die hierzu nötigen Voraussetzungen erfüllen. In diesem Sinne können leistungssteigernde Reformen – aber nur die ! – sich der Unterstützung der ADR gewiss sein.

Fernand Kartheiser, ADR-Abgeordneter
Dieser Artikel erschien im “Lëtzebuerger Land” in der Rubrik “Zu Gast im Land” am 25. November 2011