Luxemburg – und dies gilt sowohl für das Land als auch für die Stadt – hat zumindest in den „Spitzenstunden“, ein echtes Mobilitätsproblem.  Die Autobahnen werden zu Parkplätzen, Busse und Züge platzen aus allen Nähten. Wenn Luxemburg Anziehungsplatz für die Großregion bleiben will, und somit unseren Wohlstand und unser Sozialsystem auf hohem Niveau halten will, muss dieses Problem gründlich und wirksam gelöst werden.

Für die ADR ist klar: das Mobilitätsproblem in den Spitzenstunden kann nicht auf einer einzigen Schiene gelöst werden, auch wenn die Regierung und der Schöffenrat der Stadt Luxemburg noch so viel in die Kommunikationspolitik für die leichte Tram investiert (nach letzten Angaben mehr als 200 000 Euro). Luxemburg muss eine „offene Stadt“ bleiben, und dies für alle Verkehrsteilnehmer, gleich welches Transportmittel diese benutzen, und egal aus welchem Grund sie in die Hauptstadt wollen (Arbeit, Einkauf, Freizeit, Wohnen).

Im Wahlprogramm der ADR für 2009 kann man lesen: „Nach Ansicht der ADR muss die Transportpolitik der nächsten Jahre auf einem intelligenten, effizienten und ökologisch vertretbarem  Mischkonzept beruhen, das sowohl den öffentlichen Transport als auch den Individualverkehr in seine Überlegungen mit einbezieht“.

Dieses Mischkonzept wird sowohl vom Transportminister Claude Wiseler als auch vom Verkehrsschöffen François Bausch klar abgelehnt. Werden ihre Träume wahr, dann wird in naher Zukunft die Fahrt mit dem eigenen Auto in oder aus der Stadt Luxemburg zur Quälerei. Der Minister hat neun Hauptzugänge zur Stadt ausfindig gemacht: auf all diesen Hauptstraßen soll der öffentliche Verkehr – lies Überlandbus –  absolute Vorfahrt bekommen, zu Lasten des Individualverkehrs.

Gerade diese Busse möchte der Verkehrsschöffe nun aber nicht in der Stadt sehen. Diese sollen so weit wie möglich am Rande der Stadt aufgefangen werden, dies um den neuen Volksport „Umsteigen“ in hohem Maße zu fördern. Oder, neue Variante, die Überlandbusse übernehmen in der Stadt die Rolle der städtischen Busse, wobei letztere dann wegfallen. Auch diese Variante zieht eine ganze Menge Nachteile mit sich, sowohl was den Mindestkomfort der Reisenden betrifft als auch das Einfügen der großen Fahrzeuge in eine urbane Umgebung.

Auch der Langsamverkehr, die sogenannte „mobilité douce“, kann nur am Rande zur Lösung der Verkehrsproblematik in der Hauptstadt beitragen. Teure Studien für „Velospisten“ nützen kaum, wenn die Fahrradwege vor wichtigen Kreuzungen enden.
Die leichte Tram mag in ruhigen Stunden für manche ein nettes Spielzeug sein, kann aber durch ihre geringe Kapazität (maximal 5400 Passagiere pro Stunde und Richtung) keinesfalls zur Lösung des Problems in Spitzenstunden beitragen. Eher ist der Geigenteil der Fall, da die Gesamtkapazität sowohl für den öffentlichen als auch für den Individualverkehr auf der Hauptachse mit der Straßenbahn drastisch reduziert wird.

Die ADR ist der Überzeugung, dass nur ein Gesamtkonzept, das alle Verkehrsmittel gleichberechtigt miteinbezieht, das Mobilitätsproblem in den Spitzenstunden lindern kann und dass nur das Konzept vom „City Tunnel“ das Problem dauerhaft lösen kann!
Als neues Mitglied im Gemeinderat mache ich mir große Sorgen, wenn die Mobilität in der Stadt Luxemburg nicht zu genügend gewährleistet wird. Dann könnten Betriebe und Bürger „mit den Füßen abstimmen“ und ihre Standorte am Rande oder gar außerhalb der Gemeindegrenze ansiedeln. Die ADR wird den Kampf um die „Mobilität für alle“ weiterführen – und hofft dabei auf große Unterstützung.

Marceline Goergen, Präsidentin ADR Lëtzebuerg-Stad, Gemeinderätin

Dieser Artikel erschien im “Lëtzebuerger Land” in der Rubrik “Zu Gast im Land” am 3. August 2012