Die Ausgangslage:

Das gesamte Verkehrs- und Transportgeschehen muss zum zentralen Thema einer aktiven, umweltbewussten und vorsorgenden politischen Gestaltung werden. In den letzten Jahren zeigt sich immer mehr, dass Luxemburg in Sachen Verkehr und öffentlichem Transport vor dem Kollaps steht. Dies ist das Resultat sämtlicher bisheriger Regierungen, die planlos an unserem Straßennetz herumgewerkelt haben. Das ADR ist nach wie vor der Auffassung, dass Schluss sein muss mit faulen Kompromissen, und dass es unabdingbar und vorrangig ist ein Transportgesamtkonzept zu entwickeln.

Statistisches:

1980199020002001/02
Bevölkerung:364.600384.400439.500
Arbeitsplätze insgesamt:157.600187.100262.300277.000
Beschäftigte Grenzgänger:11.90035.30090.30097.300
Fahrzeuge insges.:219.293320.248341.351
Nutzfahrzeuge:32.55545.96348.677
Quelle: STATEC

Die Bevölkerungsanzahl im Norden (Distrikt Diekirch) betrug im Jahr:
1981: 53.353 Einwohner,
1991: 56.895 Einwohner,
2001: 66.628 Einwohner.
Dies ergibt eine Steigerung von 24,88 % in den letzten 20 Jahren.

Zwischen 1960 und 1990 war der Bevölkerungsanstieg im Norden des Landes mit 26,5% wesentlich geringer als der Landesdurchschnitt mit 40,5%. Erst in den letzten 10 Jahren schließt der Norden auf.

Quelle: ORENO

Das Ziel

1. Öffentlicher Transport:

Der öffentliche Transport muss ausgebaut und kundenfreundlicher gestaltet werden. Ein erster Schritt besteht darin, den Benutzern den öffentlichen Transport gratis zur Verfügung zu stellen.

Der zweigleisige Ausbau der Nordstrecke der Eisenbahn ist dringend von Nöten. Erstens, aus Sicherheitsgründen, da ein Unfall nie auszuschließen ist und die Bergung eventueller Verletzter in dem topographisch sehr schwierigen Gelände problematisch ist. Zweitens, um das Angebot im Schienenverkehr ausbauen zu können. In Spitzenzeiten muss ein Halbstundentakt gelten. Der letzte Zug darf nicht schon um 22.50 Uhr sondern erst nach 00.00 in Luxemburg Stadt abfahren.

Auf Grund der großen Nachfrage gilt es sämtliche Bahnhofsauffangparkplätze im Norden des Landes auszubauen. Durch die Neuanlage eines Parkings sollte dem Ettelbrücker Bahnhof eine Priorität zugestanden werden.

Eine zusätzliche Haltestelle in Ingeldorf (Aktivitätszone) an der Eisenbahnlinie Ettelbrück-Diekirch ist eine absolute Notwendigkeit. Zudem gilt es das Angebot der Zugverbindungen speziell morgens und abends auszubauen.

Jede Ortschaft muss unter Beachtung des Nutzungseffektes im Stundentakt von Bussen bedient werden. Da an den Wochenenden und Feiertagen im Norden des Landes so gut wie kein Busangebot besteht, ist es durchaus notwendig eine Buslinie ab Ettelbrück über Diekirch nach der Schmiede und über Ulflingen, das Pommerloch und Heiderscheid wieder zurück, einzuplanen. Eine solche, in regelmäßigen Zeitabständen, verkehrende Buslinie bietet zudem den Touristen die einmalige Gelegenheit in einer Art Rundreise unsere Region zu entdecken und je nach Zeit und Interessen die vielfältigen touristischen Angebote zu nutzen.

2. Individualverkehr

Auch wenn am notwendigen Ausbau des öffentlichen Transportes kein Zweifel besteht, kommt man mittel-und langfristig an einer Modernisierung und dem Ausbau des Straßennetzes nicht herum, da es an seine Belastungsgrenze stößt. Dabei muss aber einer unnötigen Landschaftszerschneidung Einhalt geboten werden.

Internationaler Anschluss muss prioritär behandelt werden!

Wer sich die Landkarte genauer angesehen hat, wird bemerkt haben, dass für den Norden ein direkter Anschluss ans internationale Autobahnnetz notwendig ist. Insbesondere mit unseren belgischen Nachbarn gilt es in enger Zusammenarbeit die anstehenden Probleme betreffend den Straßenverkehr und die Eisenbahn zu lösen. Sinn und Zweck dieser Kooperation darf es jedoch nicht sein den Transitverkehr durch unser Land zu schleusen.

Der Ausbau der Hauptverkehrsachsen N 7 (E 421) und N 15 als Anschluss an das internationale Straßennetz (E 25 und E 42) muss prioritär vorangetrieben werden.

Das ADR Norden hat in einer ersten Phase folgendes 9-Punkteprogramm entwickelt:

1) Nordstraße N 27/N 7: Ab Colmar/Berg muss die Nordstraße bis zur Wemperhardt je nach Möglichkeit vierspurig ausgebaut werden. Da die Auf- und Abfahrten der Nordstraße im Ballungsraum Ettelbrück/Diekirch zu kurz sind, müssen diese wenn möglich verlängert werden.

2) Umgehung Ettelbrück/Feulen: Zwischen dem Fridhaff (nahe Erpeldingen) und Feulen müssen die N 27 (Nordstraße) und die N 15 eine Direktverbindung erhalten. An dieser Umgehungsstraße ist auch die Möglichkeit eines Verteilers zu den Ettelbrücker Lyzeen, sowie der Klinik gegeben. Der Verkehr darf auf keinen Fall, wie bisher, durch Ettelbrück geschleust werden.

3) Umgehung Diekirch: Diekirch muss ebenfalls vom Durchgangsverkehr befreit werden. Eine Studie sollte hier ergeben welche Lösung sich hier am besten anbietet.

4) Umgehung Hosingen: Sofortiger Bau der westlichen Umgehung von Hosingen.

5) Verkehrsplanung im Klerfer Kanton: Im Klerfer Kanton muss die Nordstraße Heinerscheid westlich mit Anschluss Richtung Rossmillen umfahren. Ab Rossmillen muss man Binsfeld süd-westlich umfahren bis zur N12 oberhalb Wilwerdingen. Dies ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn die Ulflinger Aktivitätszone “In Allern” einen direkten Anschluss und vor Klerf (beim Verband) die Gabelung CR 336/CR 335 eine andere Gestaltung erhält um den Anschluss an die Aktivitätszone Lentzweiler zu erleichtern. Nur so können sowohl Klerf als auch Ulflingen vom Durchgangsverkehr (hauptsächlich Lastwagen) befreit werden.

6) Verbesserungen auf der N 15 (Ettelbrück-Bastnach): Eine Neugestaltung der Brücke in Heiderscheidergrund ist aus Sicherheitsgründen zu befürworten. Der Verteilerring am Schumannseck muss weitere Abzweigungen erhalten. Zudem sind zwei Auffahrten gefährlich und die Überquerung oft reine Glückssache.

7) Eine Umgehungsstraße für Wiltz: Zu Spitzenzeiten herrscht in Wiltz ein einziges Verkehrschaos. Das ADR befürwortet hier eine nördliche Umgehungsstraße d.h. von der Aktivitätszone Salzbaach Richtung Noertringen und Richtung Erpeldingen.

8) Anbindung: N 7/N 15: Eine direkte Verbindung der N 7 (Nordstraße) mit der N 15 (Ettelbrück/Bastnach) oberhalb von Wiltz ist auch notwendig. Mit dem Bau der Wiltzer Umgehungsstraße wäre der erste Teilabschnitt dieses Vorschlages verwirklicht. Ab Erpeldingen ist diese Straße dann bis nach Hosingen auszubauen und zu begradigen. Eine solche Verbindung hat zudem den Vorteil, dass sämtliche Anfahrten zur technischen Kontrollstation Wilwerwiltz, speziell für Nutzfahrzeuge, wesentlich vereinfacht und sicherer werden.

9) Contournement Luxemburg-Stadt: Bei der Schließung des Autobahnrings um die Hauptstadt muss unbedingt dem Anschluss der N12 (Redinger Kanton) Rechnung getragen werden.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, belegen die oben angeführten Beispiele, dass ein großer Nachholbedarf an Straßeninfrastrukturen im Norden des Landes besteht. Dennoch sind die Vorschläge des ADR keine maximalistischen Forderungen. Die Verwirklichung dieser Vorhaben hat sich den wirtschaftlichen Gegebenheiten, der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung des ländlichen Raumes, der Dezentralisierung öffentlicher Verwaltungen und nicht zuletzt den notwendigen Schulinfrastrukturen anzupassen. Die konstante Bevölkerungszunahme im Norden des Landes verlangt auch eine konstante Anpassung und Verbesserung des Straßennetzes. Das ADR-Transportkonzept stellt einen ersten Schritt auf diesem Weg dar. Dem Prinzip der Dezentralisierung hat sich das ADR seit seiner Gründung verpflichtet.