Die Verwandlung Luxemburgs vom armen Bauernstaat zur Industrienation im 19. Jahrhundert gilt neben der Entwicklung der Hauptstadt als internationaler Finanzplatz vor erst wenigen Jahrzehnten als eine der beiden zentralen Epochen der luxemburgischen Wirtschaftsgeschichte. Wer deshalb heute auf diese historische Entwicklung zurückblickt, kommt nicht daran vorbei, der Schwerindustrie und vor allem all den Tausenden von Menschen die für sie hart gearbeitet haben, die ihnen gebührende Anerkennung zu zollen. Besonders der Süden des Landes kann mit berechtigtem Stolz auf seinen Beitrag zum Wohlstand Luxemburgs hinweisen.

Als sich dann im Jahre 2006 Herr Mittal die Arcelor einverleibte, machten viele Menschen sich berechtigte Sorgen. Würde diese Übernahme nicht zu einem Abbau des Stahlstandorts Luxemburg führen? Welches Interesse hätte ein Unternehmen wie das von Herrn Mittal am Schicksal der Luxemburger Arbeiter? Damals behauptete Premierminister Juncker im Parlament, wie sich mittlerweile herausstellte etwas sehr naiv, Herr Mittal habe ihm alle nötigen Garantien für die luxemburgischen Stahlstandorte gegeben. Was von Herrn Junckers Verhandlungsgeschick zu halten ist, sehen wir jetzt. Das Schicksal von Rodange und Schifflingen zeigt nur allzu deutlich, dass Herr Juncker sich über den Tisch hat ziehen lassen. Der Premierminister verweist nun auf schriftliche Vereinbarungen zwischen Herrn Mittal und dem Wirtschaftsministerium. Die ADR wartet gespannt auf die Herausgabe dieser Dokumente!

Herr Juncker – immerhin ein im Süden Luxemburgs und nicht in einem Londoner Nobelviertel gewählter Politiker – scheint vergessen zu haben wem er seine Loyalität schuldet. In Wahrheit hat Herrn Junckers Regierung jahrelang darauf verzichtet luxemburgische Interessen gegenüber allzu gierigen ausländischen Kapitalisten zu verteidigen. Die Herren Juncker und Krecké halfen tatkräftig beim Ausverkauf luxemburgischer Betriebe an indische oder katarische Unternehmen mit! Erst heute hört man aus Regierungskreisen verhaltene Kritik an diesem junkerschen Raubbau an luxemburgischen Interessen. Erst jetzt und erst angesichts der massiven Probleme in der Stahlindustrie und bei der Carglolux wird man sich bewusst, dass die herbeigerufenen Profithaie eine ganz andere Mentalität haben als luxemburgische oder andere westliche Unternehmer. Herrn Junckers gefährlicher Leichtsinn geht heute auf Kosten hunderter von Arbeitsplätzen in Luxemburgs Süden!

Dass Herrn Junckers Partei sich überhaupt noch “sozial” zu nennen wagt – – das Wort steht doch tatsächlich noch in ihrem Namen! – zeugt schon von einer gehörigen Portion Dreistigkeit. Immerhin muss sich die CSV neben massiven Staatsschulden, Verschwendung öffenlicher Gelder, erhöhter Steuerlast, Indexmanipulation und grosszügigen Wahlgeschenken auf Kosten des Steuerzahlers nun auch noch eine Mitverantwortung für die Schliessung der Werke in Rodange und Schifflingen auf ihren orangenen Wimpel kritzeln! Herrn Junckers Garantien dürften einer der beliebtesten Partywitze in Herrn Mittals vornehmer Londoner Residenz sein. Den Menschen im Süden unseres Landes ist aber das Lachen vergangen.

Das Dossier Mittal hat noch viele andere, interessante Aspekte. Wie steht es etwa mit einer gerechten Besteuerung diese Betriebs? Warum muss der Steuerzahler für die Sanierung der Industriebrachen bezahlen? Wer profitiert von den CO2 Emissionswerten?

Die CSV “hat fertig” – die CSV soll gehen!

Joe Thein