Die Gemeindewahlen im Oktober sind, im doppelten Sinne des Wortes, mit einer wichtigen Weichenstellung verbunden: Wie wird das Verkehrsproblem in der und um die Hauptstadt gelöst? Das Problem tritt täglich in den Verkehrsnachrichten zu Tage. Und es wird noch schlimmer. 2007 haben jeden Tag rund 106.000 Arbeiter und Angestellte in Luxemburg-Stad ihren Dienst angetreten. 2030, so der lokale Mobilitätsplan, soll die Zahl der Arbeitsplätze auf 213.000 ansteigen. Derselbe Plan sieht vor, dass dann 158.000 Pendler in die Stadt kommen, darunter 85.000 Grenzgänger!

Ein solcher Ansturm in einem Luxemburg mit 700.000 Einwohnern ist nicht über die individuelle Mobilität – sprich Automobil – zu lösen. Genau so wenig wie mit dem Hirngespinst grüner und sonstiger Ideologen, mit Namen „leichte Tram“. Der „tramway électrique“ mag 1908 ein Fortschritt gegenüber der Pferdetrambahn gewesen sein. Im 21. Jahrhundert aber droht der „tram léger“ vom Bahnhof zum Kirchberg zu einem gewaltigen Rückschritt für die Mobilität insgesamt zu werden, für die Stadt mit ihren Geschäften, Verwaltungen, Arbeitsplätzen, touristischen Attraktionen… und nicht zuletzt für die Wohnviertel.

Weder das Bahnhofsviertel noch das Stadtzentrum verfügen im Jahr 2011 über mehr Verkehrsfläche als im Jahr 1903, als die Adolphe-Brücke feierlich eingeweiht wurde. Aber 1903 konnten nur die sehr Reichen sich ein Automobil leisten und auf dem Boulevard Royal standen nur beschauliche Herrenhäuser! Die Mobilität von morgen kann nicht mit der Technik von Anno Tubak gelöst werden. Die leichte Tram wird nur unwesentlich schneller sein als der historische „tramway électrique“ und braucht genau so viel Platz. Die Wagen mit futuristischem Design haben nur eine Transportkapazität von 6.000 Passagieren pro Stunde, nicht viel mehr als die aktuelle Armada von Autobussen… und viel zu wenig um der Pendlerflut in den Spitzenstunden Herr zu werden.

Es gibt nur eine Strategie, um das Verkehrsproblem von heute zu lösen und den viel gewaltigeren Problemen von morgen vorzubeugen: den Eisenbahn-City-Tunnel. Ingenieur Georges Schummer hat vor einigen Jahren Pläne dazu ausgearbeitet: die Züge (die aus Richtung Thionville, Esch, Longwy, Arlon, Trier oder Ulflingen anrollen) sollen UNTER der Stadt fahren, mit unterirdischen Bahnhöfen im Zentrum (Hamilius), auf dem Limpertsberg (Schulen, Universität, Büros…) und Kirchberg. Der City-Tunnel bietet nur Vorteile: er kann mehr als viermal so viel Passagiere pro Stunde aufnehmen wie die Tram und er ist schneller; Passagiere die mit dem Zug anreisen, können größtenteils, ohne umzusteigen an ihr Ziel gelangen… und vor allem erweitert er den Verkehrsraum in der Stadt Luxemburg! Laut Berechnung der Vereinigung „RER“ wird der City-Tunnel insgesamt kaum teurer als die Tram mit ihren erforderlichen gewaltigen Infrastrukturarbeiten in den Verkehrsachsen.

Hört man sich um, so ist die Mehrheit der Bürger gegen die Tram, mit dem unvermeidlichen jahrelangen Chaos Baustelle und der eingeschränkten individuellen Mobilität. Deshalb wohl sind die Regierung als auch der Schöffenrat der Stadt Luxemburg gegen eine Volksbefragung. Trotzdem sprechen sich DP, CSV, LSAP und natürlich die Grünen für die Tram aus (wobei die CSV schamlos mit gespaltener Zunge spricht: sowohl für als auch gegen die Tram…).

Der City-Tunnel ist DIE Lösung, und die ADR ist die einzige Partei, die sich klar und deutlich, im Land wie in der Stadt, für dieses zukunftsträchtige Projekt einsetzt. Im Oktober können die Wähler, auch ohne Volksbefragung, dazu beitragen, die Weichen richtig zu stellen.

Marceline Goergen, Präsidentin ADR Lëtzebuerg-Stad

Dieser Artikel erschien im “Lëtzebuerger Land” in der Rubrik “Zu Gast im Land” am 01. Juli 2011